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Die Karlspreismedaille wird seit 1950 jährlich (bis auf die wenigen Jahre, in denen man keinen geeigneten Würdenträger fand) an eine Person verliehen, die sich um die europäische Einheit verdient machte – und ebenso lange wird sie gefertigt von Juwelier Zaun in Aachen.

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Die Vorderseite der 330 g schweren Sterlingsilber-Medaille mit einem Durchmesser von 8,5 cm zeigt das (älteste) Stadtsiegel – aus dem 12. Jahrhundert – mit der Inschrift „Carolus Magnus Romanorum Imperator Augustus“ = „Karl der Große der erhabene Kaiser von Rom“. Auf die Rückseite wird der vom Karlspreisgremium vorgegebene Text und natürlich der Name des Preisträgers gesetzt.

Vorder- und Rückseite werden dann miteinander verbunden, vergoldet  und an ein eigens dafür gefertigtes, mit den Stadtadlern besticktes, gelbgrundiges Band, gehängt – für Bill Clinton wegen seiner Größe mit zwölf Adlern, für Pat Cox mit zehn Adlern.

 

Karl den Großen um den Hals

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Firmenchefin Gisela Zaun zeigt die Karlspreis-Medaille.

Wenn Valéry Giscard d’Estaing am 29. Mai den Krönungssaal verläßt, hat er an Gewicht zugelegt: Genau 330 Gramm Sterlingsilber mit einer 24-karätigen Feinvergoldung werden den Hals des Karlspreisträgers zieren – die Karlspreismedaille. Dann kann eine Dame ganz leise aufatmen. Sie hat es geschafft. Gisela Zaun, heutige Inhaberin des Juweliergeschäftes Zaun in Aachen, ist mit der Anfertigung der Medaille beauftragt. Diese Aufgabe hat sie von ihrem Großvater, dem Goldschmied Josef Zaun, übernommen, der in den Anfangsjahren noch selbst Hand an das gute Stück legte. In seiner Werkstatt hinter den heutigen Geschäftsräumen war bereits 1950 die erste Karlspreismedaille für Richard Graf Coudenhove-Kalergi entstanden. Seit dieser Zeit ist das Motiv immer gleich, nur die Rückseite ändert sich. Sie wird für jeden Karlspreisträger individuell geprägt, der Text wird von der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises vorgegeben.

Da die Karlspreisträger international sind, muß man besonders mit der Schreibweise der Namen vertraut sein. Einmal hat sich bisher ein Druckfehler eingeschlichen. Anita Reimer, seit 1955 Mitarbeiterin der Firma Zaun, erinnert sich: Der Name des Karlspreisträgers François Mitterrand war schon in der Vorlage falsch geschrieben. Es fehlte ein t. Acht Tage vor Verleihung an ihn und Helmut Kohl 1988 fiel das Mißgeschick auf. Die Medaille mußte schnellstens korrigiert werden.

Die Karlspreismedaille zu fertigen, ist feinste Handarbeit von fast 50 Handwerkerstunden. Zunächst nimmt der Silberschmied einen Abdruck von der immer gleichen Vorlage, dem Karlssiegel von 1130. Der Text wird dann auf die Rückseite geschrotet, Buchstabe für Buchstabe wird die Inschrift mit einem Punzen, einem Vierkantstab, in das Silber geschlagen. Der Silberschmied braucht für diese Arbeit viel Geduld und eine ruhige Hand. Wenn beide Seiten fertig sind, werden sie mit einem Metallring verlötet und anschließend geschliffen und poliert. Die Ösen für die Bandbefestigung werden angelötet, und dann erst wird die Medaille feinvergoldet. Seit 1955 hängt die Karlspreismedaille an einem gold-gelben Band, das dem Stadtwappen angelehnt ist. Dieses Band wird mit kleinen schwarzen Adlern mit roten Füßen und Schnäbeln handbestickt. Diese Arbeit übernimmt die Firma Clemens-Jansen aus der Schmiedstraße. Konrad Adenauer hatte sich noch mit einer einfachen schwarz-gelben Kordel zufrieden geben müssen.

Kopfüber paßt die Medaille

Die hohe Kunst des Umhängens muß schließlich vom Oberbürgermeister selbst bewältigt werden. Da gibt es manch protokollarisches Problem zu lösen, besonders wenn, wie im Falle der niederländischen Königin Beatrix, die Karlspreisträgerin einen Hut trägt. Deshalb gibt es einen Verschluß, der dann von hinten von einem Assistenten geschlossen werden muß. An eine Schrecksekunde erinnert sich Gisela Zaun noch: Nachdem Toni Blair seine Medaille erhalten hatte, zog er sie auf dem Weg zu seinem Platz flugs wieder aus und ließ sie leger neben seinen Sitz plumpsen – ein Albtraum.

Während der Zeremonie nehmen alle anwesenden Karlspreisträger auf dem Podium Platz. Sie sind an ihren Medaillen zu erkennen. Für den Fall, daß einer sein gutes Stück einmal vergessen sollte, hält die Stadt einige Ersatzmedaillen mit blanker Rückseite bereit. Sorgfältig umgehen sollte man mit ihr in jedem Fall: Sie hat einen Wert von 2000 Euro.

Von Sabine Mathieu für „Bad Aachen“ im Mai 2004.
Wir bedanken uns für die Erlaubnis, den (leicht gekürzten) Artikel abzudrucken.